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dj- und club-kultur, elektronische (tanz)musik * lorenz gilli

Grammophonmusik, Musique Concrète und Hip Hop-Turntablism: ein ‚Nicht-Forschungsstand‘

Beitrag im Online-Magazin der AG Auditive Kultur und Sound Studies der GfM und Panel bei der Jahrestagung der GfM 2019

Im Online-Magazin der AG ist kürzlich ein Artikel von mir erschienen. In diesem hinterfrage ich zum einen kritisch die immer wieder aufgestellten Kontinuität zwischen den Turntable-Experimenten der künstlerischen Avantgarden in der ersten Hälfte des 20. Jh. (v.a. der Grammophonmusik, John Cage und Pierre Schaeffer) und den Turntable-Praktiken der Hip Hop-DJs seit den 1970er. Spoiler: es gibt keine Beweise. Ausgehend von der mangelnden Beweislage frage ich danach, welche Kontinuitäten es sonst gibt? Antwort: die Technik selbst und ihre Affordanzen. Was das heißt, kann im Beitrag nachgelesen werden (online und kostenlos).

übrigens: ich habe gemeinsam mit drei Kolleg*innen der AG ein Panel bei der Jahrestagung der GfM 2019 in Köln zum Thema ‚Medien-Materialitäten‘ eingereicht und es wurde angenommen. Dort werde ich mich ebenfalls der im Beitrag skizzierten Thematik der Affordanzen von Turntables widmen.

(Bild: Grandmaster Flash beim James Lavelle’s Meltdown Festival 2014; Quelle: Wikimedia Commons; Autor: Victor Frankowski / Southbank Centre; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

Konferenz „Again & Again“, London

Vom 25. bis 26. April 2019 findet in London die internationale Konferenz „Again & Again. Musical Repetition in Aesthetics, Analysis and Experience“ statt. Veranstalter wird sie vom Music Department der City University, London. Ich bin mit meinen Vortrag „‚Pleasure (Extended Mix)‘. Recontextualising repetition in DJ-sets“ dazu eingeladen worden, was mich sehr freut!

In meinem Vortrag werde ich zum einen versuchen, den Reiz von Wiederholung in der electronic dance music (EDM) mit verschiedenen Ansätzen zu erklären, und auf spezifische Eigenschaften von Wiederholung in der EDM eingehen, die sie von anderen repetitiven Genres, v.a. Funk, unterscheidet. Im zweiten Teil werde ich das analytische Instrumentarium, das ich in meiner Dissertation erarbeite, kurz vorstellen und darauf anwenden. Hier wird es darum gehen, wie DJs mit Wiederholung umgehen: sie herstellen, verändern oder unterschlagen. Ganz schön viel Inhalt für nur 20 Minuten Zeit also… 😉

GfM-Jahrestagung und ich als DJ bei der Drohnen-Ausstellung

Diese Woche wird eine sehr dichte, aber äußerst interessante Woche! Morgen beginnt die Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs „Medien der Kooperation“ an der Uni Siegen zum Thema „Media in the Wild“ (25.–26.9.2018), die praktisch nahtlos in die Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft zum Thema „Industrie“ – sehr passend für die Stahlindustriestadt Siegen – übergeht: Mittwoch Abend eröffnet der französische Soziologe Luc Boltanski mit seiner Keynote, in der wohl einige Thesen aus seinem aktuellen Buch „Bereicherung. Eine Kritik der Ware“ (gem. mit Arnaud Esquerre, Suhrkamp 2018) vorstellen wird – wird sicher sehr spannend!

Am Freitag beteilige ich mich selbst aktiv: diesmal nicht akademisch, sondern musikalisch. Am Freitag darf ich beim GfM-Abend „Drinks ’n‘ Drones“ die Space-Bar der Ausstellung „Different Eyes“ musikalisch untermalen: mit Drone-Music und anderen Ambient-Musiken. Von La Monte Young zur aktuellen Space-Music. In der Ausstellung sind künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Thema ‚Drohnen‘ zu sehen, zu hören und anzufassen. Freitag, 28.9.2018, ab 21h: „Drinks ’n‘ Drones ’n‘ Drone-Music“ 🙂

Im Museum im Oberen Schloss finden zwei weitere Ausstellungen des SfB statt: eine des Forschungsprojekts zur Smartphonenutzung in früher Kindheit und eine zur Geschichte globaler Kommunikationsnetze und -technologien. Das gesamten GfM-Tagungsprogramm gibt es hier.

 

Netflix‘ „Ibiza“

Netflix hat kürzlich eine eigene Filmproduktion herausgebracht: „Ibiza“ (Trailer). Plot: junge, kaum erfolgreiche PR-Frau aus NY kommt für einen beruflichen Auftrag nach Barcelona, verliebt sich in den „hotten“ EDM-DJ Leo West. Sie und ihre beiden mitgereisten Freundinnen entscheiden sich für YOLO, riskieren das Meeting am nächsten Tag und folgen ihm nach Ibiza. Es folgt eine ausgelassene, chaotische Clubnacht mit vielen Drogen, aber am Ende ist sie den eh verhassten Job los, bekommt trotzdem den Auftrag und natürlich auch den DJ. Oh, sorry fürs spoilern… Naja, große Plot-Twists sind eh nicht zu erwarten – das weiß man nach wenigen Minuten – genausowenig wie  der Versuch nach authentisch dargestellter Ibiza-Kultur oder sonst irgendeine differenzierte Sichtweise auf irgendwas, sei es Drogenkonsum, EDM-Hype oder die Sehnsucht nach der einen großen Liebe. Alles glatt, oberflächlich, kitschig-süß und ach so „crazy“…

Funster von Mixmag hat in einem Interview mit dem Regisseur Alex Richanbach weitere Details erfragt, zum Beispiel dass er nie in Ibiza war. Aber der Film hat nicht nur dieses Problem…

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EDM-Doku-Serie „After The Raves“

Von Red Bull TV gibt es die 9-teilige Doku-Serie über EDM: „After The Raves“ (2016). Und mit EDM meint die Serie nicht electronic dance music als Sammelbegriff, sondern das „fette-Drops-und-spektakuläre-Popstar-Shows-EDM“. Beispielhaft dafür das Interview mit Dirty South, das bei einer großen Portion Austern geführt wird (S01E1, TC 10:40). „Underground? My Ass!“ also? Weiß noch nicht genau: immerhin kommen auch eher undergroundige Leute wie „The Gaslamp Killer“ vor.

In den jeweils rund 25 Min. werden neun Städte/Regionen/Szenen porträtiert: Los Angeles, San Francisco, das Mysteryland-Festival in den Niederlanden, Las Vegas, Paris, Ibiza, Niederlande, England, Miami. Produziert wurde die Serie von DJ Tommie Sunshine, der auch die Interviews mit seinen Buddies führt, und selbst aktiver Teil der Mainstream-EDM-Szene ist.

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Dimitri Vegas & Like Mike vs. Helene Fischer

Auf der Tagung „Cool Retro Camp Trash. Aesthetic Concepts in Popular Culture“ (Freiburg, 3.-5. Mai 2018) hab ich einen Vortrag gehalten, in dem ich DJ-Praktiken unter medientheoretischen Aspekten der immediacy betrachtet habe, und diese mit performativen Aspekten und der Frage nach der „Atmosphäre“ (i.S. Gernot Böhmes, wie er sie in seinem Buch Aisthetik von 2001 konzipiert) verbunden habe. Dabei habe ich am Ende eine Performance von Dimitri Vegas und Like Mike beim Tomorrowland 2017 als Beispiel herangezogen, wie im sog. „EDM Pop“ mit Un-/Mittelbarkeit umgegangen wird. Meine These war, dass sich Techno und seine vielen Sub-Genres besonders dadurch auszeichnen, dass sie versuchen, Unmittelbarkeit im affektiven Erleben und in der Performativität entstehen zu lassen, während EDM Pop zwar das unmittelbare Erleben von Klangphänomenen ermöglicht, dieses aber sozialer Interaktion sowie Teilnahme an der referenzierten Popkultur begleitet oder gar ersetzt wird. Diese sind jedoch symbolisch vermittelte – also medial opake – Möglichkeiten des Erlebens.

Im Anschluss hat mich Christoph Jacke gefragt, warum ich bei DM&LM überhaupt den Bezug auf die Techno-Kultur brauche, und ob das aufgrund der Spektakularität der Inszenierung und Performance nicht einfach „Pop“ sei – so wie Helene Fischer auch. Damals konnte ich die Frage nicht so recht beantworten, das möchte ich hiermit nachholen:

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Popkongress 2018, Hamburg: 1. bis 3. Feb. 2018

Die 10. Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien der GfM wird in diesem Jahr ausgerichtet von Olaf Sanders und Roger Behrens und findet an der Universität der Bundeswehr in Hamburg statt. Ich darf auch einen Beitrag vorstellen, was mich sehr freut.

Die in meinem Vortrag genannten Links und Tracklists findest du hier. Falls du mehr Material benötigst, schreib einfach mir eine Mail.

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http://mixmag.net/feature/is-it-acceptable-to-remix-a-classic

… to remix a classic

In a blogpost from March 2017, which appeared on my twitter-timeline just now, Funster of Mixmag.com asks the question:

„Is it ever acceptable to remix a classic?“

Well, the question itself is already wrong. What exactly is a „classic“ in the first place, and who is it to decide which tracks are „classics“? Why should it NOT be allowed to remix? And most importantly: who should it be to allow and monitor, wheter a remix of a classic is „good“ and therefore „allowed“, or „bad“ and should therefore „be banned“? If we go down that road, we’d end up with a remix-police – and who should it be? A central committee of DJs and remixers? Your national culture ministry? The UNESCO? Funster of mixmag?

We already have such a system that works fine: it’s the huge community of DJs, fans, listeners and dancers. You don’t like the remix of „Blue Monday“ or „Born Slippy“? Well: Don’t play it, don’t buy, vote it down on Youtube. If you hear it being played in your club by a DJ: don’t dance to it, or let the DJ in any other (polite and friendly) way understand, that this track kills the vibe on the dancefloor (any sensitive DJ would understand that intuitively without any words, btw…). In the end, that’s what Funster himself is doing, as you can read at the end of the blogpost: „Funster is Mixmag’s Deputy Digital Editor and he’ll stop dancing if you play a shit remix.“

I personally do really like the Bulletproof/Dino Psaras remix of „Blue Monday“. It nicely translates the original into psytrance. I played it a few times and the response was great. Of course, as a DJ you need to pay attention wheter the tracks fits the overall style and atmosphere of your set, and wheter the audience would appreciate it or not. That’s basically an issue with every single track you select, but with remixes of such „classics“ the risk of failure is much higher.
I played it to a rather mixed audience of goa-fraggles and people who were not so much into it. I’d  refrain from playing it on a „strictly psytrance“-party, though.

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https://www.youtube.com/watch?v=_wf-09JfWm0

So, the answer to Funsters question is simple: of course it should be allowed to remix a classic. Always!

There are only two kind of limits to it: there are limits set by copyright-laws. I am just simply stating that in many cases these limits exists and that everyone violating them should be aware of what s/he does. Wheter such limits are good or bad, is not the case to discuss here.
The second kind of limits are the one set by the artists themselves, who might not want their beloved work to be remixed. No matter if you agree to that or not, that should be respected.

For everything else: just go ahead and remix whatever you want. Let the people decide if you did a good job and added something special to that classic tune, or if you failed to do so and presented yourself as a copycat.

 

CfP: Film Musik Kontexte. Intermediale Referenz in audiovisuellen Medien (Mainz, 21.-23.6.2018)

Das XIII. Symposium zur Filmmusikforschung findet diesmal an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vom 21. bis 23. Juni 2018 statt. Hier findet ihr den Call for Papers.

Filmmusikforschung ist zwar nicht per se ein Thema für DJ- und Clubmusik-Forschung, aber ich weiß z.B., dass ein Beitrag zum N.W.A.-Biopic „Straight Outta Compton“ geplant ist. Wer weiß, vielleicht finden sich noch weitere Überschneidungen, z.B. der Neuvertonung von Fritz Langs „Metropolis“ (1927) durch Giorgio Moroder (1984) oder Jeff Mills (2000)? Oder der Soundtrack und Cameo-Auftritt von Daft Punk bei „Tron“ (2010)?

Update 24.5.2018: Programm ist online, hier als pdf abrufbar.

screenshot tape-mag.com

Tape-Mag.com: Audio-Tape-Culture & Magazine-Culture

With the beginning of the new year, a new website and online-database has been launched: tape-mag.com. It focuses on non-commercial DIY-culture of a pre-digital music era, when xeroxed fanzines and tape-trading were the only means available to bypass the commercial system of major-labels and to promote and distribute underground music.

Tape-Mag.com is a Non-Profit Online-Archive & Information-Database for Audio-Tape-Culture (Cassettes/Tapes/Reels) and 20th Century Art- & Music-related Small-Press Publications / Magazine-Culture.

This Archive-Database focuses on the following styles/genres.

– Mid 70’s to late 90’s Industrial / Experimental / Free Improvisation / Post- Punk / New Wave, Minimal / Synth /Ambient and further musical directions of the DIY-Cassette-Culture.

– early 50’s to late 90’s Sound Art / Sound Poetry / Text-Sound-Compositions / Poesie Sonore / Verbosonics / Lingual Music / Music Concrete / Audio Art plus related printed Mail-Art / Concrete Poetry / Visual Poetry / Lettrisme / Fluxus

(https://tape-mag.com/About_Us-1-3.htm)

I just digged in a bit into this huge database. You will find many unknown (at least to me) and abscure bands and artists, alongside the well known pioneers of these genres like Tangerine Dream, Throbbing Gristle, Skinny Puppy, Front 242, Killing Joke, Einstürzende Neubauten and so on.

What distinguished it from discogs.com (to my impression) is the focus on small, unofficial, homemade releases on cassette, tape or reel, and the vast amount of press and zines, all connected in a nice database. The press-material is scanned and available for registred members, as well as sometimes links to mp3s on filehosting services.

The look and feel of the website reflects the DYI-attitude in the 21st century: basic CMS-design 😉

via IASPM-Newsletter/Julio Mendevil

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